am 10. September

Altpapiersammlung MGV

Festbuch

100 Jahre MGV

100-jähriges Jubiläum des Chorverbands Kraichgau in Flehingen - BNN Artikel vom August 1988

Oberderdingen-Flehingen (klk). Mit einem Festakt in der vollbesetzten Schloßgartenhalle eröffnete der Sängerkreis Kraichgau die Jubiläumsfeierlichkeiten zu seinem hundertjährigen Bestehen. Im Mittelpunkt stand dabei ein von der Sopranistin Claudia Götting, einem Orchester aus Mitgliedern der Staatsoper Frankfurt sowie einem Chor aus Sängerinnen und Sängern des Sängerkreises unter der Leitung von Kreischorleiter Ernst Daubenberger gestaltetes Festkonzert.

Zur Aufführung gelangten dabei „Dir, Schöpfer des Weltalls“ für Solosopran, gemischten Chor und Orchester von Mozart, die Kantate „Viva la Musica“ für Solo, Männerchor und Orchester von Ph. Mohler, sechs Gesangsszenen „Auf diesem Stern - Erde“ für Solo, Männerchor und Orchester von Theo Fischer sowie eine „Tanzliederkantate“ nach europäischen Tanzliedern und Volkstänzen für Solo, Chor und Orchester von Werner Fussan.

In seiner Festansprache unterstrich der Präsident des Badischen Sängerbundes, Albrecht Münch die Notwendigkeit, anläßlich dieses hundertjährigen Jubiläums in die Entwicklungsgeschichte des Chorwesens hineinzuleuchten, um jene Ansatzpunkte und Tatsachen herauszugreifen, die den Sinn jeglicher sängerischer Kulturarbeit aufzeigen. Münch zeichnete dabei die Entwicklung des Sängerkreises von der Gründung in der Zeit badischer Großherzöge und deutscher Kaiser über die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die Kriegsjahre und im Nachkriegsdeutschland nach. Neben der wirtschaftlichen Entwicklung vom Agrar- zum Industriestaat sei dabei auch in der Kunst ein Wandel vorgegangen, insbesondere in der Musik von der Romantik zu modernen Tonvorstellungen. In der Zeit vor Rundfunk, Schallplatte, Tonfi lm und Fernsehen seien die Männerchöre die einzigen Hüter, Bewahrer und Träger volkstümlich und künstlerisch hochentwickelten Liedgutes gewesen und hätten die kulturell bedeutsame Aufgabe wahrgenommen, das Lied zu pfl egen, durch Gesang die Mitmenschen zu erfreuen und den Gemeinschaftsgedanken mit Freude und Heiterkeit zu vertiefen.

Obwohl diese Aufgabe auch heute noch grundsätzliche Gültigkeit habe, so Münch weiter, gebe es neue Zielsetzungen für das Chorwesen. Weil die Chöre nicht mehr ausschließlich und alleinige Vermittler mehrstimmigen Liedgutes seien, sondern nur noch eine Stimme in der Überfülle akustischer Tonträger, sei es ihre wichtigste Aufgabe, dem im modernen Industriestaat gehetzten Menschen einen natürlichen Ausgleich zu bieten. Dies gelte nicht nur für die körperliche Gesundheit, sondern auch für die geistig-seelische Funktion zur Gesunderhaltung einer Gemeinschaft.

Als Klammer zwischen den Vereinen einer Landschaft bezeichnete Regierungsdirektor Dr. Both vom Landratsamt Karlsruhe als Vertreter des Schirmherrn des Sängerjubiläums, Landrat Dr. Ditteney, den Sängerkreis. Dieser nehme eine zentrale Aufgabe wahr, sei ein Teil der Gemeinschaft und ein Stück Heimat. Die Bewahrung und Weitergabe des Liedgutes sei, so Dr. Both, ureigenste Aufgabe der Gesangvereine. Dem Festakt ging ein Empfang voraus, zu dem die Gemeinde Oberderdingen Repräsentanten der Sängerkreisvereine und des öff entlichen Lebens in den eben restaurierten Saal des Gasthauses „Zum Grünen Hof“ in Sickingen eingeladen hatte. Jener Örtlichkeit also, in dem am 2. Dezember 1888 auf die Initiative des Kürnbacher Oberlehrers Johann Adam Wenger hin die Gesangvereine aus Bauerbach, Derdingen, Gochsheim, Kürnbach, Sulzfeld und Zaisenhausen sich zum „Kraichgau-Sängerbund“ zusammenschlossen.

 

 

Bürgermeister Breitinger erinnerte daran, daß neben sängerischen auch die patriotischen Motive jener Zeit bei der Gründung des Sängerbundes eine Rolle spielten, daß bereits damals Badener und Württemberger unter ein gemeinsames Dach fanden. Heute sei dem Sängerkreis patriotischer Zungenschlag, zweckhaftes Zurüsten von Gefühlen und die Unterstützung von Stimmungen fremd. Heute trage er eine gesellschaftspolitisch wichtige Kulturaufgabe, setze in sinnvoller Freizeitgestaltung der Passivität einen aktiven Part entgegen.

Sängerbundpräsident Münch verlieh Bürgermeister Breitinger als Repräsentanten der Gemeinde sowie Sängerkreispräsident Bertold Augenstein die Ehrenmedaille des Badischen Sängerbundes. Bei einem kleinen Festbankett im Festzelt, das vom MGV „Einigkeit“ Flehingen sowie den vereinigten Chören von Bauerbach und Oberderdingen musikalisch begleitet wurde, sprachen Politiker aus Bund, Land und Kommunen sowie Vorsitzende benachbarter Sängerkreise Grußworte, verbunden mit Glückwünschen zum Sängerkreisjubiläum.

 

 

BNN-Artikel vom Volkslieder „Wettsingen“ am Sonntag, 28.Aug. 1988

Oberderdingen-Flehingen (ei). Ein Höhepunkt des dreitägigen Jubiläumsfestes „100 Jahre Sängerkreis Kraichgau“ war am Sonntag das Volksliederwettsingen der 24 Kraichgauchöre mit rund 1.000 Chormitgliedern. Die Chöre aus dem Kraichgau stellten sich am Sonntagmorgen der Kritik des Wertungsrichters Prof. Rectanus aus Heidelberg. Aufgabenschwerpunkt waren Silcherlieder. Friedrich Silcher war ein Komponist der Romantik, im kommenden Jahr wird sein 200. Geburtstag gefeiert.

Die Chöre wurden - der Chancengleichheit wegen - in drei Gruppen eingeteilt. In Gruppe 1 sangen Männerchöre bis 39 Chormitglieder. In der Gruppe 2 befanden sich die gemischten Chöre, und in Gruppe 3 wetteiferten die Männerchöre mit mehr als 40 Mitgliedern. Prof. Rectanus erläuterte im Anschluß an das Singen seinen Bewertungsmaßstab. Bewertet wird ein Lied nach sieben Disziplinen. Auf Tonreinheit, Phrasierung, Dynamik und vieles mehr wird besonderen Wert gelegt.

Noten werden für jede Disziplin von 0 bis 6 erteilt, wobei 0 die beste Leistung ist. Dann wird der Durchschnittswert für jeden Chor errechnet. Der Chor mit der niedrigsten Note ist Tagessieger.

Prof. Rectanus bestätigte den Sängern, daß alle Chöre den richtigen Ton gefunden hätten. Ein Silcherchor ist vor allem „mit Herz zu singen.“ Die Chöre zeigten unter ihren Dirigenten eine hervorragende Interpretation der Silchervorlagen. „Die Kompositionen von Silcher dürften nicht übertrieben dargestellt werden“; meinte der Wertungsrichter. „Silcher kann durchaus mit modernen Komponisten konkurrieren. Daß Silcher heute noch ankomme, zeige das zahlreiche Publikum beim Wertungssingen“.

„Der Beifall des Publikums darf mich jedoch nicht rühren“, äußerte Prof. Rectanus, „aber so viel kann ich Ihnen verraten, daß kein Chor eine schlechtere Leistung als 3 erbracht hat. Ich bin beeindruckt von dieser guten Chorleistung und wünsche den Chören weiterhin gute Chorarbeit.“

Das endgültige Ergebnis konnten die Sängerinnen und Sänger erst am Nachmittag nach dem Festumzug erfahren.

Tagessieger aus der Gruppe 1 war der MGV Eintracht Oberöwisheim mit den Liedern „Ännchen von Tharau“ und „Mädchen mit den blauen Augen“. Der Chor erhielt die Gesamtnote 0,5. Den zweiten Platz belegte mit der Gesamtwertung 0,78 der MGV Liedertafel Landshausen mit zwei Silcherliedern „Frisch gesungen“ und „Juchhei, dich muß ich haben“. Auf den 3. Platz kam mit der Wertung von 0,93 der MGV Bahnbrücken mit den Liedern „Mein eigen soll sie sein“ und „Nach der Heimat kam ich wieder“. In der Gruppe 2 der gemischten Chöre erzielte der GV Frohsinn Büchig die Tagesbestleistung mit 0,14. Seine Liedbeiträge waren „Schiff erlied“ und „Liebchens Bote“. Auf Platz 2 kam der GV Konkordia Menzingen mit einer Tagesleistung von 0,71. Den dritten Platz teilen sich die Chöre GV 1886 Wössingen und der VGV Bretten 1847. Beide Chöre erhielten die Note 1,07.

In der dritten Gruppe, Männerchöre mit mehr als 40 Chormitgliedern, zeigte Freundschaft Diedelsheim seine Spitzenstellung im Kraichgau. Auch dieser Chor erzielte die Tagesbestnote 0,14 mit den Liedern „Ännchen von Tharau“ und „Lauf Jäger lauf“. Auf Platz 2 folgen der MGV Sängerbund Münzesheim mit der Tagesleistung 0,21 und auf Platz 3 die Chöre MGV Sängerbund Sulzfeld und VMGV Unteröwisheim mit der Tagesleistung 0,5. Auf große Pokale wurde verzichtet. Die Chöre mit den besten Wertungen erhalten Geld zum Einkauf von Gesangsliteratur.

Sängerkreisvorsitzender Bertold Augenstein war mit dem Tag sehr zufrieden. Er dankte allen Teilnehmern und ganz besonders dem Veranstalter, dem MGV „Einigkeit“ Flehingen, sowie allen Vereinen, die am Festzug teilgenommen hatten.

100-jähriges Jubiläum des Chorverbands Kraichgau in Flehingen 1988 - Festumzug mit Festdamen

Festdamen am Ziel des Festumzugs vor der Schlossgartenhalle in Sickingen
(v.l.) Petra Müller (verh. Herbich), Pia Rübenacker (verh. Rübenacker-Back), Silke Müller (verh. Buddenmeyer), Ulrike Haag (verh. Katzenmaier), Petra Müller (verh. Schnauffer), Silke Leis (verh. Riedel), Petra Gäckle (verh. Zawichowski)

 

 

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