am 10. September

Altpapiersammlung MGV

Festbuch

100 Jahre MGV

Jahresbericht 1931

Das Jahr 1931 stand im Allgemeinen unter dem Zeichen der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage, die weniger für den Verein selbst, als vielmehr dahingehend, dass man die Schwere der Zeit insofern berücksichtigte, von größeren öffentlichen Veranstaltungen abzusehen, zumal deshalb, da der Versuch, mit anderen Vereinen geschlossen gemeinsame Sache zu machen, gescheitert ist.

Trotzdem fehlte es nicht an verschiedenen Anlässen, bei der die Geselligkeit sich Bahn brach und der Humor zu seinem Recht kam. Den Auftakt bildete der Vereinsausflug nach Maulbronn, wozu man zur Abwechslung und der Ersparnis wegen „Schusters Rappen“ sattelte und unterm 3. Mai, um den segensreichen Frühling, einen wirklich schönen Tag erkoren hat. Über rebenbewachsene Hügel und lauschige Waldungen führte der um 8 Uhr begonnene Fußmarsch eine stattliche Anzahl von Sängern, Sangesfreunden, unter Begleitung der holden Weiblichkeit, ins altbekannte Städtchen Maulbronn, wo man nach eingenommenem, meist selbst mitgetragenem Imbiss, die Klosterbauten in Augenschein nahm, welche ja der Mittelpunkt aller Maulbronn-Wanderer sind. Wider Erwarten entschloss sich dann auch die weitaus größte Zahl wieder den Rückweg zu Fuß zu machen und dann konnte man nach guter Heimkehr mit Befriedigung auf diesen schön verlaufenen Tag zurückblicken.

Am 6. Juni war sodann ein Gautag beim Liederverein in Mühlbach, der damit begann, dass sich die Gauvereine um die Mittagstunde in den Mauern der Burgruine von der Gölerschen Ravensburg in Sulzfeld zusammenfanden, alsdann, nach herzlicher Begrüßung eines Grafen aus der Freiherrlich Gölerschen Familie, die Gesamtprobe des von der Gauleitung aufgetragenen Pflichtchors stattfand.

Danach bewegte sich ein fast unübersehbarer Zug nach dem nahen Mühlbach, dem eigentlichen Festort, wo sich bald ein fröhliches Treiben auf dem Festplatz entwickelte. Mit Rücksicht auf den finanzarmen Zeitpunkt, hat man auch hier von einem Preissingen abgesehen und unser Verein brachte den selbstgewählten Jägerchor von Konradin Kreutzer „Verglüht sind schon die Sterne“ auf der Festbühne wohlgelungen zum Vortrag. Bald neigte sich auch für diesen Tag die Abendstunde hernieder, nachdem man noch in ein Lokal überwechselnd mit einem Verein aus der Landeshauptstadt Karlsruhe manche Perle des deutschen Volkslieds zum Besten gab.

Sangesbruder Braun, der mit Luxus-Limousine in Form eines Bier-Lastwagens gerade des Weges kam, brachte die heitere Schar dann in etwas stürmischer Fahrt nach Sulzfeld, von wo aus man mit der Bahn die Teilnehmer wieder wohlbehalten nach Hause brachte.

Der meist denkwürdige Tag war dann das 25-jährige Dienstjubiläum des verehrten Dirigenten, Herr Oberlehrer Buntru, aus welchem Anlass sich die Sänger in stattlicher Anzahl im Gasthaus zur Sonne eingefunden haben, um dem verdienten Gesangsleiter eine an sich einfache aber desto nicht minder nützliche Ehrung zuteilwerden zu lassen und bald entstand auch dieser Abend bei Rede und Gegenrede und dem Klang des deutschen Liedes.

Am 18. Oktober fanden sich dann die Sänger mit Familienangehörigen zu einem Bierabend zusammen, der deshalb anberaumt wurde, um das Zusammengehörigkeitsgefühl nach langer Pause wieder wach zu rufen. Nicht unerwähnt soll bleiben die Verehelichung unseres Herrn Dirigenten, aus welchem Anlass die Sängerschar ein Ständchen brachte unter der Leitung des Herrn Hauptlehrer Stöhr, der sich hierfür in selbstloser Weise zur Verfügung stellte. Ein vom Gefeierten gespendetes Glas Bier hielt die Mitglieder sodann bis zur mitternächtlichen Stunde im Vereinslokal zum Adler gemütlich beisammen.

Als Vereinsabend und Weihnachtsfeier hat man nur eine einfache Unterhaltung für die Vereinsmitglieder vorgesehen, der dann auch am 3. Januar wohlgelungen durchgeführt werden konnte.

Glücklicherweise brauchte die Aktivität zu keinem Begräbnis im verflossenen Jahr anzutreten.

Mitgliederbestand bei der letzten Generalversammlung 117, seither ausgetreten 13, neu eingetreten 2, somit heutiger Stand 106.

Proben, das sind solche, die kontrolliert und unterzeichnet sind, waren es im vergangenen Jahr 22. Hierfür konnten 7 Mitglieder für 95 %igen Besuch mit einem Sängerglas bedacht werden. Die Namen dieser werden zur Ehrung derselben und zur eifrigen Nachahmung für andere hier niedergeschrieben und veröffentlicht. Es sind dies Jakob Schmidt, Ernst Schmidt, Karl Kraft, Clemens Kugler (Glas als Bild anbei), Wilhelm Dehn, Karl Götz, Karl Steiner.

 

Auch der verehrte Herr Dirigent soll nach dem Willen der Vorstandschaft mit einem solchen Glas erfreut werden, da er sich in wirklich uneigennütziger Weise im verflossenen Jahr wieder zur Verfügung stellte, dank derer die Vereinskasse, trotz der wenigen Einnahmen, immer noch guten Bestand hat.

Die Vereinsleitung nimmt aus Anlass, hiermit all denen zu danken, die sich irgendwie für die Vereinssache verdient gemacht haben und auch allen Sängern und passiven Mitgliedern für die dem Verein und damit der Sache des deutschen Liedes bewiesenen Treue. Wenn auch mancherlei Stürme den Verein umtoben, so ergeht doch an alle ehrlich gestimmten Sänger und Sangesfreunde hiermit der herzliche Apell, treu zur Sache zu stehen und den Ausklang des Jahresberichts zu beherzigen in folgenden Worten:

 

Drum singe weiter, hell und leise,

Das Lied dem lieben Heimatland,

Des deutschen Liedes schönste Weise,

Mein Lied im schönen Kraichgauland.

 

Flehingen, den 24. Jan. 1932

Stäb, Vorstand

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