am 10. September

Altpapiersammlung MGV

Festbuch

100 Jahre MGV

Jahresbericht 1929

Zu Beginn des Jahres war für die Gesangsproben ein befriedigender Eifer und Leistung festzustellen. Dementsprechend war auch der Vortrag der beiden Lieder „Der treue Kamerad“ und „Deutschland du mein Vaterland“ vor dem Kriegerdenkmal am allgemeinen Totensonntag recht befriedigend.

Die weitere Arbeit im Verein stand im Zeichen und in Erwartung des Vereinsausflugs und des Gausängertages in Gochsheim.

Am 9. Juni fand sodann der Ausflug statt. Die Woche zuvor mochte einem, zufolge des unerfreulichen und ausgiebigen Regenwetters, der Mut fast sinken, den geplanten Ausflug zu riskieren; noch in der letzten Nacht vom Samstag auf Sonntag gingen verschiedene schwere Gewitter über unserer Gegend nieder und brachten nochmals reichlich Regen. Trotz alledem fanden sich des morgens gegen 4 Uhr die angemeldeten Teilnehmer rechtzeitig ein beim Vereinslokal und auch die Kraft-Post-Stelle Bruchsal, bei der die notwendigen Kraftwagen für den Ausflug bestellt waren, hatte einiges Vertrauen zum Wettergott und hatte pünktlich zwei Kraftwagen zur Stelle, die dann die 51 Fahrtteilnehmer bald aufgenommen hatten.

Ein Teddybär im Arm des sangesfreudigen und lebenslustigen Schlotfegers Berger brachte gleich zu Beginn der Fahrt etwas Stimmung.

Als dann die Sonne gegen Tagesanbruch über die düsteren Regenwolken Herr wurde, brach die richtige Stimmung vollends durch und in herrlicher Fahrt gings sodann über Pforzheim und den Dobel nach Griesbach im Murgtal und Forbach, allhier Gelegenheit war für einen Kirchenbesuch und hier Gelegenheit war für einen Imbiss. Bei der Abfahrt von da setzte allerdings wieder ein heftiger Regen ein, der aber der Stimmung der Reiseteilnehmer wenig schaden konnte, auch dann nicht, als man bei Besichtigung der Schwarzenbachtalsperre mehrmals von einem Regenschauer überrascht wurde.

Sodann gings in herrlicher Fahrt durch dunkle Tannenwälder nach dem Mummelsee. Von da gings wieder talabwärts nach Achern, wo die einheitliche Mahlzeit eingenommen wurde. Nach einem kurzen Abstecher nach der Bäderstadt Baden-Baden kam man abends elf Uhr wohlbehalten wieder zurück. War auch die Absicht nach der Hornisgrinde zu kommen, durch das in den Bergen herrschende trübe Wetter vereitelt, so brachte diese Fahrt einen großen Teil der Teilnehmer in bis dahin unbekannte Gegenden unseres geliebten Schwarzwaldes, sodass es wohl keinen der Teilnehmer grämen braucht.

Schwarzenbach-Stausee bein Forbach im Schwarzwald

Am 23. Juni war sodann das Gausängerfest in Gochsheim, wohin man sich auf Schusters Rappen begeben hat. Auch dieses Fest litt etwas unter dem Regenwetter, doch entwickelte sich trotzdem am Nachmittag ein frohes Treiben auf dem Festplatz und man muss sagen, dass sich die alte Festungsstadt Gochsheim redlich Mühe gab, die Sängerschar gut zu bewirten.

Da für das Fest nur ein Konzertsingen vorgesehen war, allein der Verein das Lied „Der Frühling vom Rhein“ vortrug, wäre hierzu nicht viel mehr zu sagen. Unerwähnt darf auch nicht bleiben, das am 2. Juni im Gasthaus zum Adler abgehaltene Konzert, unter der Mitwirkung des Männergesangsvereins aus Offenau, allda unser geschätzter Dirigent ebenfalls seinen sicheren Stab führt. Dieses Konzert dürfte leider etwas besser besucht gewesen sein, was wohl, der fortgeschritten Jahreszeit wegen, zu entschuldigen war.

Von dem Gausängertag an war etwas Ruhe, bis die Vorbereitungen zum Gartenfest am 18. August wieder etwas mehr Interesse erfrischten. Auch dieses Fest drohte der Wettergott mit finsterer Miene zu vereiteln, allein ein deutscher Sänger lässt sich nicht so leicht abschrecken und so war es auch hier. Am Nachmittag entwickelte sich ein buntes Treiben bei schönstem Sonnenschein auf der Festwiese an der Bahnhofstraße, dass sogar ein recht schöner finanzieller Erfolg dem Verein noch beschieden war.

Nachdem die im November einsetzenden Proben teilweise mangelhaft und unregelmäßig besucht waren, war die Aussicht für die alljährliche Abendunterhaltung sehr trübe. Letzten Endes siegte auch hier die bessere Einsicht der Sänger und Theaterspieler, sodass doch die Theateraufführung am Sonntag, den 19. Januar als ein voller Erfolg für den Verein gebucht werden konnte.

Hierher soll auch vermerkt sein, dass unser derzeitiger Dirigent, Herr Oberlehrer Buntru, viel weniger aus materieller Absicht, als aus wirklichem Idealismus zum deutschen Lied, sich dem Verein widmet, was ganz besonders in der Vereinskasse sehr stark und recht deutlich zu bemerken ist.

Mitgliederstand war bei der letztjährigen Generalversammlung 135. Davon sind ausgetreten durch Tod 2, durch Wegzug 8, sonstige 2, somit restlich 123. Eingetreten sind 4 und damit heutiger Stand 127.

Gesangsproben im verflossenen Jahr 35.

 

Willst uns nicht lange klagen,

Was alles dir wehe tut,

Nur frisch nur frisch gesungen,

Und alles wird wieder gut.

 

Flehingen, den 16. Februar 1930

 

Franz Stäb

Vorstand

 

 

Zeitsplitter 1929

„Die Sängermütze des Dirigenten wird von der Vereinskasse bestritten.“

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