am 10. September

Altpapiersammlung MGV

Festbuch

100 Jahre MGV

Konzerte, Operetten und Singspiele

1947 - 1959

 

Die Aufbruchstimmung und ersten Aktivitäten des 1947 wiederaktivierten MGV sind wie das Erblühen einer Wüstenpfl anze, die endlich nach einer langen Dürrezeit wieder mit Wasser versorgt wird. Bereits unmittelbar nach dem Beginn der Chorproben wird das erste Konzert geplant. Am 11. Mai 1947 veranstaltet der Verein anlässlich seines 25jährigen Bestehens im Adlersaal ein Konzert mit der Kammersängerin Else Blank vom Badischen Staatstheater in Karlsruhe.

„In wenigen Stunden waren die verfügbaren Eintrittskarten im Vorverkauf abgesetzt. Das Konzert verlief in harmonischer Weise und war für den Verein in jeder Hinsicht ein Erfolg. Der neue Chorleiter (Otto Müller) hatte sich glänzend bewährt.“

Zwei Jahre später, am 8. Mai 1949, gastiert der Karlsruher Kammersänger Adolf Schöpflin ebenfalls im Adlersaal.

Das Konzert mit dem bekannten Bassisten wird ein großer Erfolg und deshalb beschließt die Vorstandschaft spontan, das Konzert am Folgetag noch einmal zu wiederholen. Diesmal blieb der erwartete Besucherandrang aber aus und die Veranstalter müssen erkennen, dass Konzerte auf dem Land eben doch nicht jedermanns Sache sind.

„Das Wetter war aber so schön am 9. Mai, dass man es verstehen konnte, wenn die Mehrzahl der Flehinger Bürger den Spaziergang dem Stillsitzen im Saal vorzogen. Und ein Konzert ist kein Theater.“

Während die beiden ersten großen Nachkriegsveranstaltungen noch von professio nellen Künstlern bestritten wurden, wagt der Verein 1949 ein Programm mit Darstellern und Solisten aus den eigenen Reihen auf die Bühne zu bringen. Wenngleich das Vorhaben nicht nur mit Sängern aus den Reihen des Männergesangvereins bewerkstelligt werden kann. Operetten und Singspiele sind ohne weibliche Darstellerinnen undenkbar. Und wenn schon der Titel „Die Winzerin vom Rhein“ lautet, dann erst recht nicht. Aber hier kann sich der Verein auf die weiblichen Angehörigen seiner Sänger und die Sängerinnen in den drei Flehinger Kirchenchören verlassen. Zur musikalischen Begleitung wird ein kleines Orchester mit Klavier, drei Geigen und Bassgeige zusammengestellt.

Nach 10 Wochen Proben ist am 21. Mai 1949 Premiere. Der Adlersaal ist vollbesetzt und auch die drei nachfolgenden Vorstellungen sind restlos ausverkauft.

Ein Jahr später, am 29. April 1950, ist schon die Premiere des zweiten Singspiels: „Das Lied der Heimat“ (Willi Schaller, Carl Silber; 1935). Zu den ebenfalls vier Vorstellungen im Adlersaal kommt jetzt auch noch ein Gastauftritt in Knittlingen hinzu.

Allerdings sind die Kosten, welche anfallen, um ein Projekt dieser Größenordnung auf die Bühne zu bringen, beträchtlich und die Eintrittsgelder, die man verlangen kann, eher bescheiden. Deshalb lautet das Resümee des Schriftführers nach der Endabrechnung: „Wenn auch der - nanzielle Erfolg weit hinter dem moralischen zurückstand, so haben wir der Bevölkerung doch ein erstklassiges Stück auf dem Gebiet der Kultur geboten.“

Aller guten Dinge sind drei:

Am 23. Mai 1953 ist die Premiere der Eduard Künneke Operette „Hochzeit mit Erika“. Die Premiere ist den Mitgliedern vorbehalten. Anschließend gibt es drei weitere Veranstaltungen für Nichtmitglieder. Auch diesmal kann der Verein wieder eine stattliche Anzahl auswärtiger Besucher begrüßen.

„Das gute Gelingen zeugt von der Einsatzbereitschaft und dem Können unserer Spielerschar und dass der Verein fähig ist, sich an größere Aufgaben heranzuwagen.“

Mit dieser Inszenierung endet die kurze, aber erlebnisreiche „Operettenzeit“ des MGV.

Jetzt beginnt die Zeit der Konzerte. Beim Herbstkonzert 1955 („Volkslieder sowie schwere Chöre kamen zum Vortrag“) tritt Leoni Müller als Solistin auf.

Am Klavier wird sie von Frau Selma Rentschler begleitet und Otto Steidle spielt ebenfalls ein Solo. Zufrieden und nicht ohne Stolz blickt man im Verein auf dieses Sängerjahr zurück:

 

„So endete auch dieses Jahr mit viel Arbeit aber der Genugtuung dem deutschen Lied und unserer Kulturaufgabe gedient zu haben, was in unseren Kräften stand.“

 

Peter Lingenfelser

き Kipfmüller Medien