am 10. September

Altpapiersammlung MGV

Festbuch

100 Jahre MGV

Jahresbericht 1928

Das Jahr 1928 brachte zu Anfang dem Verein eine Kritik, welche im Punkte Dirigenten-Frage durch unüberlegte und teilweise auch unlautere Machenschaften heraufbeschworen wurde. Dank dem guten Willen der Mehrzahl der Sänger und nicht zuletzt der richtigen Einschätzung unserer Lage von Seiten des Dirigenten Allbach, war diese Klippe bald wieder überwunden, sodass es wohl angebracht ist, dass hier im Jahresbericht die volle Anerkennung dem früheren Dirigenten für sein wirklich taktvolles und schönes Verhalten in dieser Sache zum Ausdruck gebracht und somit in unserer Vereinsgeschichte verewigt wird.

Die nun hierauf einsetzenden Proben standen im Zeichen eifriger Arbeit für das Bundesfest und Preissingen in Unteröwisheim. Ein im Monat März veranstaltetes Preiskegeln in der Bahnhofsrestauration brachte den Mitgliedern etwas Abwechslung und der Vereinskasse letzten Endes einen befriedigenden Erfolg.

Am 3. Juni fand sodann das Fest in Unteröwisheim statt, begünstigt von herrlichem Wetter. Die Sängerschar versammelte sich frohen Muts in der Frühe dieses Tages vor dem Lokal zum Adler, von wo aus ein Lastauto sie in den Festort brachte. Da bei der damals herrschenden Hitze alle Straßen und Wege verstaubt waren, dürfte es einen auch nicht wundern, wenn bei Ankunft in Unteröwisheim auch die Sängerkehlen nach einem erfrischenden Trunk lechzten. Empfang, Bewirtung und alles, was man im Allgemeinen bei einem solchen Fest zu erwarten pflegt, waren durchaus befriedigend, sodass sich recht bald eine frohe Stimmung bemerkbar machte. Leider wurde man kurz vor dem Auftreten gewahr, dass im letzten Augenblick eine unverantwortliche Schiebung eines Vereines stattgefunden hat, sodass für uns die Erringung des 1. Preises dieser Klasse unmöglich war. Die Schiebung muss auf das Gewissen der Landesleitung gebucht werden, was diese auch in der Generalversammlung in Gölshausen restlos eingestand, sodass wir hoffen wollen, dass das Sprichwort „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung“ sich bewahrheitet und ähnliche unkorrekte Machenschaften in Zukunft nicht mehr vorkommen.Aber auch mit dem errungenen Preis durften Dirigent und Sänger stolz sein, und sie waren es auch.

Nach dem Festessen zerstreuten sich die Sänger zunächst in verschiedene Richtungen, teilweise unter Führung der holden Festdamen. Nach einigen Stunden frohen Getümmels auf dem Festplatz machte man sich nach Schluss der Preisverteilung auf den Heimweg und beschloss den schön verlaufenen Tag in gemütlicher Stunde beim Glas Bier im Vereinslokal.

Die am 15. Juli veranstaltete Fahrt auf dem herrlichen Rheinstrom führte die Teilnehmer nach Bacharach, vorbei an schönen Kirchen und den sagenumwobenen Burgen. Wenn auch bei der großen Hitze der Durst sich gar zu sehr bemerkbar machte, so wird diese Fahrt doch wohl den meisten Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben. Auf 1. Oktober wurde die hiesige Oberlehrerstelle neu besetzt, worauf alsbald ein Raunen durch die Sängerreihen ging, das darauf

abzielte und die Vereinsleitung nötigte, mit dem neuen Oberlehrer, Herrn Alfred Buntru, in Verhandlung einzutreten, um ihn als Dirigenten zu gewinnen. Eine im Adler anberaumte Sitzung mit Herrn Buntru brachte sehr rasch das gewünschte Resultat und die nun einsetzenden Proben und ganz besonders die Aufführung an Weihnachten, wobei in dankenswerter Weise Herr und Frau Sauter, Schwester und Schwager des Herrn Dirigenten, durch verschiedene Soloeinlagen das Programm bereicherten, gaben reichlich Zeugnis dafür, dass der Verein mit dem Dirigentenwechsel einen wirklich guten Griff getan und dies die Sänger restlos erfreuen dürfte, die selbstlose und ideale Hingabe des Herrn Dirigenten durch eifrigen und pünktlichen Besuch der Proben fest zu unterstützen und damit die Arbeit zu erleichtern.

 

Die Arbeit für das verflossene Jahr fand ihren eigentlichen Abschluss bei einem Glas Freibier im Gasthaus zum Adler am Silvesterabend.

Mein Streben gilt dem deutschen Lied,

gepflegt mit steter, reger Emsigkeit,

dass immer herrlich es erblüht

in dem Verein der Einigkeit.

 

Flehingen, am 3. Februar 1929

Vorstand

Stäb Franz

 

Zeitsplitter 1928

„Wer unentschuldigt fehlt bei den Gesangsstunden, hat eine Strafe von 50 Pf. zu entrichten.“ „Am 31. Dezember 1928 gemütlicher Vereinsabend mit 50l Fassbier, gestiftet vom Verein.“

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