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MGV Vereins-Chronik 1919 - Heute

Hervorgegangen ist der Männergesangverein "Einigkeit" Flehingen aus dem Geselligkeitsverein "Freie Einigkeit". Dieser Verein wurde Mitte des Jahres 1919 beim badischen Bezirksamt Bretten eingetragen.

 

Aus dessen Gründungsprotokoll:

Nach Kriegsschluss (Weltkrieg 1914-18) scharten sich die jüngeren zurückgekehrtenKrieger zusammen, um einen gewissen Grad der Bildung und des Könnens zu erreichen,
und zwar unter dem Namen "Verein freie Einigkeit Flehingen“

Gründer des Vereins:

Lorenz Stäb, Friedrich Lieb, Alois Fesenbeck, Robert Rübenacker, Albert Schneider

 

In einem späteren Abschnitt der Protokollniederschrift ist zu lesen:

Nach ungefähr einem Jahr bildete sich unter dem Verein eine Gesangsabteilung unter Leitung des Herrn Oberlehrer Bausch. Die Gesangsabteilung bestand anfangs aus etwa 20 Sängern, die sich beim Verein sowohl bei freudigen als auch bei traurigen Anlässen beteiligte; so stieg das Zutrauen zu demselben immer mehr und wir gewannen an aktiven wie an passiven Mitgliedern. Gegen Ende 1920 war die Sympathie des Vereins nur noch Gesang und nochmals Gesang. Am 6. Januar 1921 bei einer Generalversammlung wurde der Antrag gestellt, den Verein umzutaufen und ihm den Namen zugeben 'Gesangverein Einigkeit Flehingen'. Nach Abstimmung mit etwa zweidrittel Stimmen erhielt der Verein den Namen 'Gesangverein Einigkeit'. "Das war also das Geburtsprotokoll unseres MGV "Einigkeit" Flehingen, der nach einer reichen Geschichte in diesem Jahr sein 75-jähriges Bestehen feiern kann.

Schon nach wenigen Wochen gelang es "durch Anmunterung des Herrn Oberlehrers Heckner aus Bauerbach", den Verein im Kraichgausangerbund aufzunehmen. Damals wurde gleich vereinbart, dass "der Gesangverein am Bewertungssingen in Kürnbach teilnehme".

Es war wohl das 33. Kraichgau-Sängerbundesfest vom 11.-13. Juni 1921 in Kürnbach. Karl Heckner (damals Hauptlehrer in Bauerbach) war 1. Präsident und holte sich den neugegründeten Nachbarverein gleich in seinen Sängerbund. Der "Kraichgau - Sängerbund" war bekanntlich bereits 1888 im "Grünen Hof" in Sickingen gegründet worden. Damals gab es noch keinen hiesigen Gesangverein.

Der erste Vorstand der "Einigkeit" war Friedrich Lieb; ihm folgte Lorenz Stäb und schließlich wurde Albert Schneider gewählt. Der schnelle Wechsel im Vorstandsamt deutet doch auf einige "Geburtswehen" hin.

Bereits im Sommer 1921 übernahm dann Fritz Dehn, der spätere Ehrenvorstand, das Amt des 1. Vorstandes und übte dieses bis 1928 und dann wieder ab 1933 bis zum Zusammenbruch aus.

Von 1928-1933 war Franz Stäb (der spätere Bürgermeister) 1. Vorstand.

Den ersten besonderen Höhepunkt im Vereinsleben bildete die Fahnenweihe der ersten Vereinsfahne im Jahre 1925. Die Fahnenweihe war zugleich das erste große Dorffest in Flehingen nach dem 1. Weltkrieg. Hauptlehrer Bausch war der erste musikalische Leiter, und der Chor konnte stolz sein auf das gute Abschneiden bereits in seinen Anfangsjahren beim Preissingen bei den Kraichgausängerfesten.

Dann führte eine Zeitlang Hauptlehrer Schradi den Dirigentenstab. lhm folgte Herr Hauptlehrer Stör mit seinem "strengen Regiment". Unter seiner Leitung nahm der Chor eine entscheidende musikalische Entwicklung. Stör musste 1928 wegen seiner Kriegsverletzung den Verein abgeben. ihm folgten die Oberlehrer Allbach und Buntru. Ab 1933 scharte Oberlehrer Schäfer in selbstlosem Einsatz einige wenige Sänger um sich und blieb dem Verein bis zum Zusammenbruch treu. Das Protokollbuch weist als letzten Jahresbericht den von 1934 aus, - dann Schweigen bis zum Bericht 1947.

Nach dem Krieg machten sich die Männer fast unverzüglich daran, ihren lieb gewordenen Verein wieder neu zu beleben. Bereits 1946 fand im "Schneeballen" die erste Singstunde statt. Chorleiter Otto Müller konnte als musikalischer Leiter gewonnen werden. Er dirigierte den Chor von 1946-1969. Es war eine wertvolle Zeit der kulturellen Aufbauarbeit im dörflichen Leben nach den Jahren des verordneten Stillstandes und den schrecklichen Kriegsjahren. Otto Müller war ein liebenswerter Mann mit viel Musikalität, aber auch Humor und Witz. Er nahm zwar die Auftritte beim Wertungssingen nicht gar zu ernst, schenkte aber dem Verein und der Bevölkerung schöne Stunden bei Gesang und Frohsinn. Erinnert sei auch an die drei Operetten, die in den 50-er Jahren glanzvoll aufgeführt wurden.

Dass das Vereinsleben mit Genehmigung der Militärregierung so frühzeitig während der Besatzungszeit wieder aufleben konnte, ist Martin Rübenacker und Jakob Braun zu verdanken. Sie stellten sich "unbelastet" als Verantwortliche für den Neubeginn zur Verfügung. Ernst Federschmidt wurde dann zum 1. Vorstand gewählt. Er überschrieb seinen ersten Jahresbericht 1947 nach dem Kriege: "Das Alte stürzt....Und neues Leben bricht aus den Ruinen."

Er organisierte damals die ersten bestuhlten Konzerte des Vereins mit bekannten Solisten. Von 1949 bis zu seinem tragischen Unfalltod im Januar 1962 war dann Jakob Schmidt 1. Vorstand. Er bildete mit dem Dirigenten Otto Müller ein gutes Duett. Letzterer schrieb in seinen "Skizzen aus der Vereinsgeschichte" über Jakob Schmidt" Er war volksnahe und außerdem von liebenswürdigem Wesen und nutzte die Konjunktur auf seine Weise aus. Flehingen war in jenen Tagen noch von vielen Städtern bevölkert, die während des Krieges aufs Land evakuiert worden waren. Aus ihnen zog er die dafür Begabten zur Ergänzung der einheimischen Kräfte heraus, um die drei Operetten aufzuziehen....". ln seiner Vorstandszeit - Jakob Schmidt war damals auch Beisitzer bei der Vorstandschaft des Sängerkreises - bekam der Verein auch zweimal die Durchführung des Kraichgausängerfestes übertragen, und zwar 1951 und 1961, obwohl das 30. und 40. Jahr des Bestehens keine "echten" Jubiläen sind. Im Protokollbuch ist von "ereignisreichen Jahren" zu lesen.

Tatsächlich organisierte der Verein die beiden überörtlichen Feste, trotz damals bescheideneren Mitteln und Umständen, hervorragend, was ihm auch besonderes Lob der Vorstandschaft des Sängerkreises "Kraichgau" einbrachte.

 

Berthold Augenstein wurde 1962 zum Nachfolger von Jakob Schmidt gewählt. Er leitete den Verein 32 Jahre bis 1994. Gleichzeitig war Berthold Augenstein während seiner Vorstandszeit auch 21 Jahre Vorsitzender des "Sängerkreises Kraichgau", was den Verein manchmal etwas mehr forderte, aber was sich auch fruchtbar und fördernd auswirkte. Im Jahre 1969 übernahm Josef Weiland den Dirigentenstab von Otto Müller, der aus gesundheitlichen Gründen die ihm lieb gewordenen Gesangvereine in Zaisenhausen und Flehingen aufgeben musste. Seinen Sickinger „Cäcilienchor“ konnte er noch eine Zeit leiten. Josef Weiland war mit Unterstützung des Vorstandes erfolgreich bemüht, die Sänger auch mit dem modernen Liedgut vertraut zu machen. Dabei wurde aber das gute alte Liedgut, vor allem das Volkslied in ungekünstelten Sätzen weiter gepflegt. Das 50-jährige Bestehen konnte im Jahre 1971 glanzvoll gefeiert werden. Fast alle Kraichgauvereine waren vertreten, obwohl Flehingen wegen der Mühlbacher Konkurrenz und trotz dieses echten Jubiläums offiziell das Kraichgausängerfest nicht zugesprochen bekam. Die zweite Vereinsfahne wurde bei einem ebenso schönen Sängerfest 1976 geweiht.

Der Verein war sich stets seiner kulturellen und gesellschaftlichen Aufgabe bewusst. Schließlich ging vom Vorstand Augenstein auch die Initiative zur Gründung der "Interessengemeinschaft Flehinger Vereine" aus. Die Zusammenarbeit der örtlichen Vereine zeigte ihren ersten großen Erfolg bei der 1200-Jahrfeier in Flehingen im Jahre 1979. Darauf folgend aber auch bei den Straßenfesten, bei vielen örtlichen Veranstaltungen. Der MGV "Einigkeit bringt seinen Beitrag immer und gerne. Aber auch überörtliche Verbindungen zu umliegenden befreundeten Vereinen, dem Patenverein Böchingen/Pfalz, neuerdings auch mit dem Gesangverein in Wittendorf werden gepflegt und mit großer Sorgfalt vorbereitet. Die Beteiligung der Sänger bei allen Auftritten wird schon seit

Jahren in allen Jahresberichten lobend hervorgehoben.

Im Jubiläumsjahr konnte der MGV seine 34. Faschingssitzung zelebrieren (darüber an anderer Stelle mehr).

Ein besonderer Glücksfall für den Verein war die Verpflichtung des damaligen Bezirkskantors des Ev. Dekanats Bretten Ernst Daubenberger im Jahre1989. Josef Weiland hatte um die Jahreswende 1988 / 89 sein Dirigentenamt hier aufgegeben. Ernst Daubenberger war aufgrund seines hervorragenden musikalischen Könnens und erfolgreichen Wirkens für den neuzeitlichen Chorgesang in jener Zeit schon lange Jahre Kreischorleiter des Sängerkreises "Kraichgau". Er übernahm den Verein zunächst nur "auf Probe", da er erst erfahren wollte, ob sich die Sänger seiner Auffassung vom guten und werkgetreuen Singen öffnen können. Seine professionelle Arbeit trägt zweifellos Früchte: Der Chorklang konnte in allen Belangen und chorischen Kriterien in den letzten Jahren den neuzeitlichen Anforderungen angemessen, verbessert werden, und Daubenberger lässt nicht nach, die Singstunden nach strengen Kriterien aufzubauen, immer wieder sich einschleichende Nachlässigkeiten und Fehler anzugehen, jeden Auftritt auch jedes Ständchen gründlichst vorzubereiten. Dabei sind die Übungsstunden immer interessant, und danach wird auch die Geselligkeit nicht vernachlässigt.

Freilich ist auch beim Flehinger Männerchor unübersehbar, dass die sog."A1terspyramide" nach oben sich verbreitert. Doch seit einigen Jahren kann der Verein auch auf eine Gruppe jüngerer Sänger bauen, die stets bereit sind, das Vereinsleben aktiv mitzugestalten. Der Zusammenklang der Chöre "Einigkeit" Flehingen und "Sängerbund" Sulzfeld (der andere Chor desselben Dirigenten) macht bei Konzerten und größeren Auftritten auch den Vorstoß in schwierigere Literatur möglich. Inzwischen hat sich aus den zwei Vereinen auch ein kleiner Chor jüngerer Sänger gebildet, der mit Ernst Daubenberger auch besondere Auftritte auf sein Programm setzen kann.

 

Im Jahre 1994 ging das Amt des l. Vorstandes von Bertold Augenstein auf Winfried Schäfer über; Augenstein wurde in der Jahreshauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Winfried Schäfer war kein Neuling, der da erstmals in die Vorstandsriege einrückte. Er war schon mehrere Jahre Schriftführer des Vereins und zehn Jahre lang dessen 2. Vorsitzender. Seine frische, zupackende und humorvolle Art wird von den Männern gut angenommen. Er hat auch einen guten Draht zur Jugend und moderiert bereits seit 1988 den MGV-Fasching. Seine Vorbereitungen und Reisebegleitungen der großen Vereinsausflüge ( alle zwei Jahre ) waren schon in den letzten Jahren als "Entlaster" des 1. Vorstandes von besonderer Qualität. Vergessen soll aber nicht sein das glanzvolle Sängerfest zum 100-jährigen Jubiläum des Kraichgausängerbundes im Sommer 1988. Ganz Flehingen feierte mit, ein bunter Festzug, mitgestaltet von allen Flehinger Vereinen, ein hochstehendes Festprogramm mit einer Ansprache des Präsidenten des Badischen Sängerbundes Albrecht Münch gab diesem Kraichgausängerfest der "Extra - Klasse" einen besonderen Rahmen. Unser MGV "Einigkeit" erntete für die Organisation und Durchführung jenes zusätzlichen Kraichgausängerfestes viel Lob von allen Verantwortlichen der Sängerbewegung im Kraichgau. So soll auch der 108. Kraichgausängertag, eingebettet in das 75-jährige Jubiläum des Männergesangvereins "Einigkeit" Flehingen e.V. wieder ein schönes Fest werden.

Die Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr sollen die Bereitschaft des Vereins signalisieren auch weiterhin das kulturelle und gesellschaftliche Leben in unserem Ort mitgestalten zu wollen. Es ist nur zu wünschen, dass dies alles auch anziehend für den Chorgesang wirkt und der Verein mit neuen Aktiven verstärkt werden kann.

 

Quelle:

Festschrift des MGV anlässlich des 75. Vereinsjubiläums zum 108. Kraichgausängertag in Flehingen am 17.06.1996 von Bertold Augenstein

 

Chorleiter des MGV "Einigkeit" Flehingen


1920-1921 Albert Schneider (MGV "Einigkeit")

1921 Oberlehrer Bausch

1921 Hauptlehrer Schradi

1921-1926 Hauptlehrer Stör

1926-1928 Oberlehrer Allbach

1928-1934 Oberlehrer Buntru

1 934-1 945 Oberlehrer Schäfer

1946-1969 Rektor Otto Müller

1969-1988 Josef Weiland

1989-2008 Ernst Daubenberger

2008-2014 Dieter Hengst

ab 2015 Margit Antoni


Vereinsvorstände des MGV "Einigkeit" Flehingen


1919 Friedrich Lieb ("Freie Einigkeit")

1920 Lorenz Stäb ("Freie Einigkeit")

1921-1928 Fritz Dehn

1928-1933 Franz Stäb

1934-1945 Fritz Dehn

1945-1947 Martin Rübenacker

1947-1948 Ernst Federschmidt

1949-1962 Jakob Schmidt

1962-1994 Bertold Augenstein

1994-2014 Winfried Schäfer

2014-2016 Stefan Mathe

ab 2016 Matthias Schnauffer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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